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Bericht zum Treffen der nord- und westdeutschen Sektionen in Soest

25 Mitglieder der nord- und westdeutschen Sektionen kamen vom 29.05. bis 31.05.2015 zu einem Treffen zusammen, zu dem der Bundesvorstand unter Federführung der Beisitzerin West – Annelies Radermacher – eingeladen hatte.

Das Treffen dient zum einen dem Gedankenaustausch zwischen den Sektionen, zum anderen dem Kennenlernen der Region Soest/Paderborn. Wir werden vor dem Hotel herzlich von Annelies Rademacher begrüßt, die uns auch die Schlüsselkarten für unser Hotelzimmer und eine
Informationsmappe aushändigt.

Nach dem Einchecken im CityMotel Soest treffen wir uns um 15.00 Uhr zum Kaffeetrinken im „Mariengarten“. Hier beginnt anschließend auch unser Stadtrundgang unter Führung der Jumeleurin Barbara Köster von der Sektion Bochum/Dortmund, die die Ausbildung zur Stadtführerin absolviert hat. In einer umfassenden Stadtführung macht uns Barbara mit den glanzvollen und stillen Jahrhunderten in Soests Geschichte vertraut. Heute ist Soest Kreisstadt mit ca. 47 000 Einwohnern mit dem Umland Soester Börde.

Die alte Hansestadt Soest mit weit über tausendjähriger Geschichte zählte im Mittelalter zu den bedeutendsten Hansestädten Europas. Bekannt ist auch das Soester Stadtrecht, das als erstes im deutschen Raum nachweislich aufgezeichnet wurde. Es ist überliefert in Form einer alten Kuhhaut. „Das geht auf keine Kuhhaut“, lässt Barbara verlauten. Soest versuchte immer wieder seine Selbständigkeit gegenüber der Landesherrschaft, dem Kölner Erzbischof, durchzusetzen. In der Soester Fehde 1444 – 1449 gelang ihnen sogar ein Sieg über die Belagerungstruppen des
Erzbischofs. Die Soester wollten sogar in einer Zeit, als die ersten Feuerwaffen bzw. Kanonen in Europa während der Wende vom 13. zum 14. Jh. auftraten, mit Pfeil und Bogen gegen ihre Feinde vorgehen. Davon zeugen 25 000 Armbrustbolzen, die sich noch heute im Soester Osthofentor-Museum befinden; sie stammen aus dem 14. bis 16. Jh., die Sammlung ist einmalig auf der Welt. Wilhelm Tell hätte seine wahre Freude gehabt. Und die Hohle Gasse gibt es hier natürlich auch. Barbara berichtet auch von Strafen, z. B. der Wippstrafe, als wir am Großen Teich vorbeikommen. Dort ist auch die heutige Wippe zu sehen. Hier werden noch heute beim Soester Bürgerschützenfest bekannte Soester Bürger in den Teich gewippt.

Was wäre Soest ohne seine Kirchen? Die evangelische Wiesenkirche oder Kirche Maria zur Wiese ist eine der schönsten Hallenkirchen Deutschlands. „Insbesondere von Kölner Besuchern wird sie auch als der kleine Kölner Dom bezeichnet“, berichtet Barbara, gibt es doch einige Parallelen. Der Grundstein für die heutige Kirche wurde 1313 gelegt, die Doppeltürme wurden erst im 19. Jh. errichtet (Kölner Dom 1880). Für das Bauwerk wurde seit der ersten Hälfte des 14. Jh. im Stil der Gotik der südlich von Soest abgebaute Grünsandstein verwendet, heute nehmen die Steinmetzen den Oberkirchener Sandstein, der wesentlich wetterfester ist. Übrigens: Die Bauhütte der Wiesenkirche ist in Expertenkreisen ebenso bekannt wie die des Kölner Domes. Bedeutende Kunstwerke im Inneren sind u. a. der Chor, Südportal und „westfälische Madonna“, Aldegrever-Altar von 1526, das kunsthistorische Hauptwerk der Wiesenkirche, Fenster mit dem westfälischen Abendmahl“. Weitere bekannte Kirchen sind St. Petri, St.-Patrokli-Dom, St.-Pauli-Kirche, Alt-St. Thomä, Brunsteinkapelle. Soest besitzt nach Bamberg das zweitgrößte historische Geläut in Deutschland.

Wir haben den Stadtrundgang beendet, bei dem wir noch Vieles mehr über Soest durch Barbara erfahren haben. Zum Abendessen treffen wir uns „Im wilden Mann“, wo wir den Tag ausklingen lassen. Morgen wollen wir die Steigerung von schwarz kennenlernen: Schwarz – Münster – Paderborn.

Nach dem Frühstück versammeln wir uns vor dem Hotel und marschieren zum Soester Bahnhof. Wird heute wieder gestreikt? Ach nein, es herrscht ja Friedenspflicht. Wir haben Glück. Aber auf dem Laufband lesen wir „Zug fällt aus“. Deutsche Bahn, Unternehmen Zukunft. Doch dann läuft unser Zug doch ein und bringt uns in etwa einer halben Stunde nach Paderborn. Wir werden von einem Stadtführer erwartet, der uns in humorvoller Weise über die 144.000 Einwohner zählende Stadt berichtet und uns durch Paderborn führt. Plötzlich beginnt es zu regnen. Wir flüchten in eine überdachte Hofeinfahrt. Es scheint etwas dran zu sein. Volksmund: In Paderborn regnet es oder die Glocken läuten. Aber bald können wir unsere Schirme einpacken.

Am Schluss der Stadtführung gibt es eine Klassenarbeit, aber nur mündlich. Immer, wenn der Stadtführer seinen Schirm mit Stadtmotiven aufspannt, gibt es einen Merkposten. Was haben wir behalten?

Paderborn

  • 777 gegründet
  • Stadt der Kümpe (Brunnen)
  • an der Pader, dem kürzesten Fluss Deutschlands
  • Stadt des Hohen Doms
  • Stadt des Liborius
  • Stadt der Minoriten
  • Stadt des Brotes
  • Stadt des Biers

776 hielt sich Karl der Große in Paderborn auf. 777 fand der erste Reichstag unter Karl dem Großen in Paderborn statt. Durch die Zusammenkunft von Karl dem Großen mit Papst Leo III. im Jahr 799 entstand das Bistum Paderborn. Und 1614 wurde die erste Universität Westfalens in Paderborn gegründet.

Der Dom mit dem Dreihasenfenster, umgeben von Paderquellen, ist das Wahrzeichen der Stadt. Wegen einer Trauerfeier müssen wir im Schnellgang den Dom durchschreiten. Im Jahr 1996 besuchte Papst Johannes Paul II. Paderborn und den Dom mit vergoldeter Kugel und Doppelkreuz. Spötter behaupten, viele Paderborner hätten sogar drei Kreuze gemacht, als der Papst wieder weg war.

Weitere bekannte Kirchen sind

  • Abdinghofkirche
  • Bartholomäuskirche (1017), älteste Hallenkirche nördlich der Alpen, hervorragende
    Akustik
  • Marktkirche, Barock

Sehenswert ist das Rathaus im Stil der Weserrenaissance. Ein besonderer Höhepunkt bei diesem Treffen ist der Besuch der Ausstellung „Die Brueghel-Familie“ in der Städtischen Galerie der Reithalle Schloss Neuhaus. Sie führt mit über 140 Gemälden, Zeichnungen und Druckgraphiken durch vier Generationen des Wirkens dieser flämischen Malerfamilie. Von den „Sieben Todsünden“ des Hieronymus Bosch, dem großen Vorbild Pieter Brueghels d. Ä., über Flusslandschaften und Genreszenen von Vater und Sohn Pieter, Allegorien und Sinnbilder, mythologische und christliche Darstellungen, Früchte- und Blumenstillleben, daneben Zeichnungen von Dörfern und Häfen.

Wir haben an diesem Tage viel erfahren und gesehen. Zunächst mit dem Bus von Schloss Neuhaus zum Bahnhof Paderborn und dann weiter mit dem Zug fahren wir nach Soest zurück.

Das Abendessen nehmen wir im Brauhaus „Die Zwiebel“ ein. Das Bier schmeckt. Die Stimmung ist gut, obwohl Borussia Dortmund das Pokalendspiel verloren hat. Borussia-Fan Barbara ist allerdings traurig. Ein erlebnisreicher Tag geht zu Ende.

Der letzte Tag unseres Treffens ist angebrochen. Nach dem Frühstück bedanken wir uns bei Annelies Radermacher für die vorbildliche Organisation und Durchführung dieser Veranstaltung. Im nächsten Jahr soll ein entsprechendes Treffen in Osnabrück stattfinden. Die Beisitzerin Nord, Anita Hagemann, nickt zustimmend.

Dann geht es zu unserem letzten Programmpunkt. Mit unseren Pkws fahren wir zur Gedenkstätte „Französische Kapelle“ in der Colonel BEM AdamKaserne Soest. Auf dem Gelände der Kaserne befand sich während des 2. Weltkriegs ein Kriegsgefangenenlager für Offiziere.

Barbara Köster, Mitglied des Vorstandes „Geschichtswerkstatt Französische Kapelle e.V.“, führt uns durch die Räume und vermittelt uns einen Eindruck, wie die Soldaten während der Zeit gelebt haben. Die Ausstellung informiert über die Geschehnisse im Kriegsgefangenenlager von 1940 bis 1945. Besonders beeindruckt sind wir von der Kapelle, die inzwischen zu einem starken Band der Freundschaft zwischen Franzosen und Deutschen geworden ist. Hier erfuhren wir auch, dass es durch die Sektion Bochum/Dortmund und deren Partnersektion Amiens gelungen ist der Geschichtswerkstatt zu einem besonderen Ausstellungsstück, dem aus Abfallprodukten hergestellten Eisenbahnmodell 150P12, zu verhelfen. Einen weiteren Bericht zum Kasernenfest in der Colonel BEM AdamKaserne in Soest vom 23.-26.10.2014 finden Sie hier.

Dann heißt es Abschied nehmen. Annelies Radermacher und Gerhard Klar verabschieden uns. Auf Wiedersehen im nächsten Jahr in Osnabrück. Wir erlebten eine interessante und informative Zeit.

Artur Sperling